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St. Thomas, den 1.4.1953
Lieber Onkel, liebe Tante und liebe Gerda!
Sende Euch allen die allerherzlichsten Ostergrüße, auch an Paul und Ruth übermittelt bitte die besten Grüße. Ja und als letztes auch meinen Eltern, ich denke, daß sie nun bald bei Euch auftauchen werden. Heut erhielt ich eine Karte von Ilse, daß meine Eltern in Hannover sind. Wollten am 24.3. weiter nach Lüneburg, später zu Euch. Mutter schrieb mir von Berlin daß sie die Sachen bei Euch packen will.
Ich hatte damals eine große Truhe von Herrn Eylers geschenkt bekommen. Meine Eltern können aber Betten und andere Wäsche in gute feste Säcke packen, nur das andere in Kisten, sie sollten zwar auch etwas stabil sein. Dann sollte sich Vatel bei einem Schmied dünnes Bandeisen besorgen und die Kisten kreuz und quer zunageln. Der Zoll in Bremen macht nur Stichproben, und dann nehmen sie meist die die besser zu öffnen sind. Machen sie wirklich eine auf, so haben sie Arbeiter da mit Werkzeug, da muß man dann sehen daß es auch wieder ordentlich geschlossen wird. Dann soll Vater und Mutter je einen Koffer mitnehmen als Handgepäck, da kommt alles da rein was sie auf der 10-14 tägigen Reise brauchen. Dann sollen sie auf das Schiff Wintersachen anziehen oder mitnehmen, auch wenn in Bremen schon das schönste Sommerwetter ist, auf See ist es immer zügig und kalt, auch fahren sie meist ziemlich nördlich, auch kommen im Frühjahr kleine Eisberge weit runter. Also gut versorgen, ist es wärmer kann man sich immer ausziehen.
Meine Eltern fahren mit der Columbia von der Greek-Line. Ich bin damals mit einer anderen Linie gefahren, so weiß ich nicht so genau Bescheid, auch ändert sich mit der Zeit manches. Aber auf dem Hupag-Lloyd Reisekbüro in Bremen am Hauptbahnhof kann man sich genauestens beurkundigen. Das Schiff fährt zwar von Bremerhaven. Als ich damals fuhr, fuhr zur selben zeit auch ein Schiff der Greek-Line, aber die Leute mußten damals auch wie wir 2 Tage vorher nach Bremen Überseeheim am Flughafen. Dort werden die Papiere fertig gemacht, das Gepäck verzollt usw. Die anderen sind dann im Sonderzug nach Bremerhaven gefahren. Der Aufenthalt in Bremen muß man selbst bezahlen, ich glaube pro Tag und Person 6 Mark Essen und Unterkunft. Auch den Sonderzug mußten sie, glaube ich, bezahlen.
Das Handgepäck behält man bei sich, die großen Stücke sendet man einen Tag vorher als Frachtgut nach Bremen, an die Adresse: Georg Wiehle, Bremer Überseeheim, Flughafen Bahnhof, Bremen Hauptbahnhof, Greek-Line Schiff 'Columbia'. Die holen es mit dem Lastwagen dort ab, muß aber pro Stück 3M dafür bezahlen. Ebenso 2 Tage später den Transport zum Schiff. Für das Verladen usw. sind immer Arbeiter da so daß man selbst nicht zugreifen braucht . Nur muß man immer bischen auf sein Gepäck achten. Das erste ist in Bremen nachsehen ob alle Stücke im Gepäckschuppen sind. Sonst nicht eher Ruhe lassen, Bahn telephonieren usw. Am besten in Hude, Bescheinigung geben lassen. Dann achten daß alle Stücke beim Columbia-Stapel liegen, sonst reisen sie sonst wo hin. Am besten auch die hierige Adresse schon drauf schreiben, also: Georg Wiehle, RR#5, St. Thomas, Ontario, Canada, Greek-Line, 'Columbia'. Das Handgepäck nimmt man mit aufs Zimmer, auch da die Adressen drauf. Ein Auge hält man am besten auch immer darauf. Das Handgepäck wird dann auch extra zum Schiff gefahren, dort bekommt man es dann wieder.
In Quebec gibt man das Handgepäck auch schon auf dem Schiff ab, man geht dann selbst durch die Paßkontrollen usw. Das Handgepäck und auch das große wird inzwischen ausgeladen in eine große Halle. Das Gepack ist dort in Stapel aufgestellt und zwar ungefähr für jeden Buchstaben ein Stapel, also Vatel wurde normalerweise unter W finden, oft verlesen sich aber die Arbeiter und so ist es daß Sachen bei falschen Gruppen stehen, man muß also sofort prüfen ob jedes Stuck da ist, sonst einer dabei bleiben, der andere Sachen von Arbeitern ranbringen lassen, bei jedem Stapel ist dann meist ein Zollbeamter, dem dann Bescheid sagen und Gepäck vorzeigen, meist guckt der auch nur ins Handgepäck und zeichnet alles. Die großen Stücke nehmen dann Arbeiter weg. Ich glaube dann bekommt nann dafür einen Abschnitt den man dann hier auf dem Bahnhof vorzeigen muß, mit dem Handgepäck marsciert man dann sofort zum Zuge hinter der Halle und sichert sich einen guten Platz, einer bleibt dort, der andere geht etwas einkaufen, für 2-3 Dollar bekommt ihr genug—ein Brot, Butter, Wurst und eine Flasche Milch und was man sonst braucht. Man kann auch im Zuge essen, aber da ist es viel teurer. Vor der Halle schräg nach rechts etwa 200-300m war ein Laden. Meine Eltern werden ja in Jochen Reißmann, ein Freund meines Vetters, eine gute Hilfe haben, er wohnt in Cloppenburg i.0., Frisoytherstr. bei Dr. Niemann. Frau Niemann ist seine Schwester. Dr. Niemann war vorher Lehrer in Brake, Ruth kennt ihn gewiß. In Quebec bekommen meine Eltern etwas Geld ausgezählt, sogenanntes Landungsgeld. Sie sollen ein Telegramm von dort schicken, auch kurz vor Abfahrt in Bremen noch einen Luftpostbrief. So weit für heut. Herzliche Grüße an alle,
Euer Gerhard
PS. Meine Eltern sollen in Brake mal Wiehles besuchen, Heißenstr. 1. Und auch Kloses in Nordenham, und ob sie mal bei Eylers einen Besuch alstatten wurden?
PSS auch noch vielen Dank für Euren lb. Brief von Januar.
Vor der Abfahrt nach Kanada - Before the journey to Canada
